25. Februar 2010 Schuhhändler mit langfristiger Strategie
Ein Schuhhändler macht uns vor, wie man sich Schritt für Schritt vom Ladengeschäft hin zum Multi-Channel-Anbieter entwickelt und sinnvoll mit den Onlinemedien umgeht.
Die Unternehmensgruppe Görtz wird bereits 1875 in Hamburg als Herren-Schuhfachgeschäft gegründet und wird über die Jahre zu einem Filialbetrieb mit heute über 200 Filialen in mehreren Ländern.
Beim Blick auf das Onlinemarketing ist erst einmal auffällig, dass Görtz zwar ab 1996 mit einer Website im Internet vertreten ist, aber erst 2003 einen eigenständigen Webshop eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt ist der Hype zur Jahrtausendwende schon längst vorbei und das Internet nicht unbedingt das zentrale Thema im Marketing. Viele andere sind mehrere Jahre vorher schon in den E-Commerce eingestiegen.
Dieser “späte” Einstieg passt aber zur scheinbaren Strategie, die Görtz seine Erfolge über Jahre bescheert: man springt nicht auf jeden Hype auf, sondern wartet erst einmal ab und sondiert, welche Onlinemarketing-Instrumente allgemein erfolgreich sind und zum eigenen Unternehmen passen. Dann aber setzt man diese ebenso konsequent ein und macht keine halben Sachen. Und wird prompt 2009 der Online-Shop des Jahres 2009.
So hat man nach dem Start des Webshops 2003 zuerst diese Schiene voll etabliert und ausgebaut. Neben dem Webshop selbst wurde ein Verbindung zu anderen Kanälen hergestellt, z.B. Internetterminals in einigen Läden aufgestellt. Und im Webshop gekaufte Waren können im Laden können im Laden zurückgegeben werden (auch wenn diese versandfähig verpackt sein müssen – die optimale Lösung mit direktem Umtausch im Laden hat auch Görtz nicht).
Und jetzt, Anfang 2010, zeigt Görtz, wie eine solche langfristige Strategie für das Web 2.0 aussieht: man hatte – scheinbar – den Web 2.0-Trend bisher verschlafen oder ignoriert. Es passt aber zu Görtz, hier in den letzten Jahren mit den Hype rund um Web 2.0 nicht sofort auf das Thema aufgesprungen zu sein.
Vielmehr hat man erst einmal andere Unternehmen gute wie schlechte Erfahrungen machen lassen und beobachtet, ob und was im Web 2.0 wirklich funktioniert. Und jetzt in 2010 wird konsequent die Aktion “Take a step. Take a picture” umgesetzt – erklärtermaßen als erster Schritt in weitere Social Media Aktivitäten. Man darf gespannt sein, was da folgen wird.
Als Berater für Onlinemarketing kann man nur sagen: weiter so. Auch wenn manchmal der Einstieg etwas sehr verspätet erscheint: eine so konsequente und langfristig durchgehaltene Strategie wird sicher mit wirtschaftlichem Erfolg belohnt. Manch anderes Unternehmen kann sich da etwas abschauen - sei es die Empfehlung, nicht gleich ziellos auf jeden Hype aufzuspringen oder sei es, dann aber alle bewährten Kanäle und Instrumente nicht nur mit Feigenblattkampagnen, sondern mit konsequent und mit vollem Einsatz zu nutzen.
Man darf gespannt sein, wann sich Görtz dem Thema mobile Marketing zuwendet. Die bisherige Beobachtung der letzten Jahre zeigt: wohl eher nicht in 2010, wenn das ein Hype-Thema ist. Vielleicht 2011 oder gar erst 2012 – dann aber wird Görtz diesen Kanal mit voller Konsequenz besetzen und beispielhafte Projekte umsetzen.


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