2. März 2010Web 2.0 und soziale Vernetzung – zum Artikel in der Wirtschaftswoche
Die Wirtschaftswoche hat in dieser Woche (Nr. 9 vom 13.02.2010) einen Artikel von Sascha Lobo veröffentlicht, der sich mit dem Konsequenzen aus Web 2.0 und der sozialen Vernetzung im Internet beschäftigt. Nicht einfach, die aus den sozialen Netzwerken resultierende gesellschaftliche Veränderungen und die Folgen für Wirtschaftsunternehmen auf nur ein-einhalb Seiten darzustellen. Da könnte man ganze Bücher dazu schreiben.
Hier als mein Beitrag zur Diskussion drei Thesen, warum das Thema “Weisheit der Massen” und soziale Vernetzung noch vergleichsweise wenig von Unternehmen genutzt wird:
1. Wir Alten
Viele Wirtschaftsunternehmen haben noch nicht erkannt, welcher Schatz sich im Internet verbirgt – aber auch welche Gefahren (wie so mancher PR-Gau des letzten Jahres gezeigt hat).
Warum das so ist? Weil in den Führungspositionen, die Entscheidungen fällen, (logischerweise) ältere Menschen sitzen. Und mit “älter” meine ich hier ab 30 Jahre aufwärts!
Diese Entscheider können das Thema soziale Netzwerke zwar logisch verstehen, aber nachvollziehen, was da passiert, es spüren, es als selbstverständlichen Teil sozialen Lebens zu sehen, das Bauchgefühl für soziale Netze entwickeln oder entsprechende Emotionen damit zu verbinden – das wird vielen “Älteren” verwehrt bleiben, die nicht mit dem Internet aufgewachsen sind.
Sie (bzw. wir
) sind einfach nicht mit diesem Medium sozialisiert worden. Und Sozialisierung in jungen Jahren lässt sich nun einmal nicht nachholen.
Man kann das diesen Entscheidern noch nicht einmal vorwerfen. Aber: sie müssen diese Lücke erkennen und andere, jüngere Mitarbeiter einbeziehen, um nicht fahrlässig eine wichtige Quelle zur Wertsteigerung Ihrer Unternehmen ungenutzt zu lassen.
2. Integration statt Austausch
Wie so oft bei Veränderungen wird anfänglich immer das “entweder-oder” bzw. das “alt-ODER-neu” diskutiert. Das ist aber meist nicht zielführend. Auch für soziale Netzwerke im Internet und bezüglich “wisdom of the crowd” ist das keine sinnvolle Diskussiongrundlage.
Diese neuen Mechanismen werden KEIN ERSATZ werden für bisherige Arten des Wirtschaftens sein – sondern EINE ERGÄNZUNG. Sie werden in Forschung & Entwicklung neben den altbekannten Forschungsabteilungen ihre Berechtigung haben. Sie werden im Marketing eines aus einer großen Auswahl von Marketinginstrumenten darstellen.
Es geht nicht darum, alte Verhaltensweisen und Geschäftsprozesse vollständig auf den Müll zu werfen und sie neu aufzubauen. Aber Geschäftsprozesse müssen hinterfragt und darauf abgeklopft werden, wo die Mechanismen des sozialen Internets und die Weisheit der Massen Chancen bieten oder Risiken darstellen. Und dann sollte man das gezielt in Geschäftsmodell und Geschäftsprozesse integrieren. Die richtige Mischung aus alten Handlungsweisen und neuen Vorgehensweisen wird das sein, was am Markt den größten Wettbewerbsvorteil bieten wird.
3. Fundament, nicht nur neues Zusatzthema
Ich stimme mit Sascha überein, dass das Thema in Unternehmen immer noch massiv unterschätzt wird.
In Marketings (z.B. “wir nutzen wir Facebook?” oder in der Forschung (Beispiel Inocentive von Sascha Lobo) ist das teilweise schon eingedrungen.
Aber, das reicht nicht. Nicht einzelne Abteilungen haben mit sozialen Netzwerken und dem Wissen der Masse ein Thema. Es ist viel grundlegender: ALLE Bereiche eines Unternehmens sind betroffen. Eben weil es sich um einer grundlegende Veränderung der Gesellschaft durch das Internet handelt und nicht irgendein oberflächliches Thema.
Personal, Marktforschung, Beschaffung und Einkauf, Kundenservice, ja selbst Produktion oder Buchhaltung und Archivierung können davon profitieren. Man muss nur einmal gezielt über die Mechanismen des Internets (nicht als Netz von Computern, sondern als Zusammenschaltung von Menschen, also von sozialen Wesen!) nachdenken.
Der von Sascha Lobo angesprochene Wandel ist deshalb ein ganz grundlegender.
Danke Sascha für den Artikel. Vielleicht werden Führungskräfte aufgerüttelt, schon allein, weil der Artikel in der Wirtschaftswoche erschienen ist (was Deine Leistung und den Inhalt jetzt nicht schmälern soll – nicht falsch verstehen!). Es wird Zeit, dass sich Führungskräften in Unternehmen endlich ernsthaft mit diesen Entwicklungen beschäftigen.
Beitrag veröffentlicht von Thomas Hörner, kontakt@thomas-hoerner.de



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